{"id":2627,"date":"2015-11-19T18:50:59","date_gmt":"2015-11-19T16:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pgrosenfeld.de\/?p=2627"},"modified":"2018-11-19T18:52:37","modified_gmt":"2018-11-19T16:52:37","slug":"zur-geschichte-unserer-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/?p=2627","title":{"rendered":"Zur Geschichte unserer Schule"},"content":{"rendered":"<p>Anmerkungen zur Schulgeschichte von Schulleiter\u00a0Dr. Volker Seibel<\/p>\n<p>Geschrieben zum Jubil\u00e4um 2002<\/p>\n<p>450 Jahre Progymnasium Rosenfeld<\/p>\n<p>Schon vor der Mitte des 16.Jahrhunderts erschienen Studenten aus Rosenfeld an deutschen Universit\u00e4ten, es muss also damals schon eine Lateinschule in Rosenfeld gegeben haben. 1551 wird sie zum ersten Mal erw\u00e4hnt. Lateinschulen in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten waren schon im 13. Jahrhundert entstanden, Balingen etwa hatte schon im Jahre 1277 einen &#8222;rector scolarum&#8220;. L\u00e4ngst hatten die Klosterschulen des Mittelalters, die damals eine Art Bildungsmonopol besa\u00dfen, Konkurrenz durch &#8222;weltliche&#8220; Bildungsst\u00e4tten bekommen. Das aufstrebende B\u00fcrgertum in den St\u00e4dten, H\u00e4ndler, Kaufleute, Handwerker, ben\u00f6tigten f\u00fcr ihre berufliche Laufbahn zunehmend eine qualifizierte Ausbildung. F\u00fcr die Verwaltung der vielen Territorialstaaten waren Juristen gefragt, und von Salerno in Italien ausgehend nahm auch die Bedeutung der Medizin an den Universit\u00e4ten zu. Wie kam jedoch eine so kleine Stadt wie Rosenfeld so fr\u00fch schon zu einer Lateinschule ?<\/p>\n<p>Nun, die Bedeutung Rosenfelds im 16.Jahrhundert war gar nicht so gering: Rosenfeld war zu Beginn des 14.Jahrhunderts durch Kauf an W\u00fcrttemberg gekommen. Dieser Raum bildete damals die &#8222;S\u00fcdflanke&#8220; der Grafschaft W\u00fcrttemberg. Weil die Stadt damit strategisch wichtig und ihre Lage auf einem Bergsporn g\u00fcnstig war, wurde sie zu einer regelrechten Festung ausgebaut, mit doppelter Stadtmauer und stark befestigten Stadttoren. Dar\u00fcber hinaus war Rosenfeld f\u00fcr diesen Raum der Verwaltungsmittelpunkt und war Sitz eines w\u00fcrttembergischen Oberamts. Durch die Amtsverbundenheit hatte die Stadt viele Vorteile, Handwerker und die st\u00e4dtischen M\u00e4rkte konnten sich eines festen und gro\u00dfen Kundenkreises erfreuen. Die Gewerbetreibenden in Rosenfeld waren damals gesch\u00e4ftlich recht erfolgreich, sie machten Stiftungen und m\u00fcssen daher sehr beg\u00fctert gewesen sein.<\/p>\n<p>1534 war Graf Ulrich von W\u00fcrttemberg zum Protestantismus \u00fcbergetreten und setzte die neue Konfession in seinem Herrschaftsbereich durch. Neue Theologen waren gefragt. Von Luther ging ein Impuls zu vermehrten Anstrengungen in Sachen Bildung aus. Auch das Bildungspotenzial der eher l\u00e4ndlichen Gebiete sollte zur Sicherung des theologischen Nachwuchses genutzt werden. Neue Lateinschulen wurden gegr\u00fcndet, bestehende wie die Rosenfelder nahmen einen Aufschwung. Rosenfeld blieb jedoch immer eine Partikularschule, d.h. es wurden im Wesentlichen nur die Grundlagen f\u00fcr die lateinische Sprache gelegt, zur weiteren Ausbildung gingen die Rosenfelder Sch\u00fcler an weiterf\u00fchrende Schulen &#8211; wie heute noch.<\/p>\n<p>Diese Rosenfelder Lateinschule hatte nie besonders hohe Sch\u00fclerzahlen. &#8222;Aus Mangel an Lateinsch\u00fclern wurde die Schule mehr und mehr eine deutsche, wie im Visitationsbericht 1603 ausdr\u00fccklich betont wird&#8220; (Geschichte des humanistischen Schulwesens in W\u00fcrttemberg, Bd.3, S.243). Dennoch beschloss man 1687, den deutschen Schulmeister wieder durch einen lateinischen zu ersetzen.<\/p>\n<p>Mitte des 18.Jahrhunderts ging aus der Rosenfelder Lateinschule der ber\u00fchmteste Z\u00f6gling hervor, der Mathematiker und Philosoph Georg Jonathan Holland. Er war Professor in T\u00fcbingen und fungierte als Erzieher und Berater des sp\u00e4teren ersten w\u00fcrttembergischen K\u00f6nigs Friedrich, der in der napoleonischen Zeit das &#8222;moderne&#8220; W\u00fcrttemberg organisierte.<\/p>\n<p>Eine Sch\u00fclerliste aus dem Stadtarchiv, der &#8222;Catalogus&#8220; der Lateinsch\u00fcler des Jahres 1783, weist gerade mal 13 Namen auf, die von einem &#8222;Praeceptor&#8220; Koch unterrichtet wurden. Die ber\u00fchmte Petition an den Rosenfelder Gemeinderat von 1860, in der die Errichtung eines Badebassins &#8222;gehorsamst&#8220; erbeten wurde, unterzeichneten 19 Mitglieder der &#8222;hochachtungsvoll verharrenden Lateinerschaft&#8220;.<\/p>\n<p>Gro\u00df war die Schule also nie, aber dennoch f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ungemein wichtig. Die Kosten, die durch die Schule entstanden, wurden von der b\u00fcrgerlichen Gemeinde immer bereitwillig getragen. Penibel sind im Stadtarchiv die Dokumente aufbewahrt, die etwa die Kosten f\u00fcr die &#8222;Visitationen&#8220; belegen. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erhielt die Schule hohen Besuch aus T\u00fcbingen, wie zum Beispiel am 17.Juni 1783, als ein Herr Professor Beck aus T\u00fcbingen die &#8222;hiesig lateinische Schul visitirt&#8220; , also den Unterricht besucht und die Kenntnisse der Z\u00f6glinge \u00fcberpr\u00fcft hatte. F\u00fcr diese damalige Tagesreise erhielt der Professor eine &#8222;Verehrung&#8220;, also ein Honorar in H\u00f6he der f\u00fcr solche Visitationen \u00fcblichen 3 Gulden sowie 2 Gulden f\u00fcr 2 &#8222;Mahlzeiten&#8220;, w\u00e4hrend sich der &#8222;Postillon&#8220; mit 2 &#8222;Imbi\u00df&#8220; zu jeweils 20 Kreuzern begn\u00fcgen musste. Bei der Visitation anwesend waren au\u00dferdem der Oberamtmann, der Stadtpfarrer, der Stadtschreiber, der Heiligenvogt sowie der B\u00fcrgermeister, die alle ein &#8222;Tagegeld&#8220;, gestaffelt nach sozialem Rang nat\u00fcrlich, erhielten. Diese Liste der Teilnehmer bei den Visitationen beweist schon f\u00fcr sich allein, welche Bedeutung damals einer h\u00f6heren Schule beigemessen wurde.<\/p>\n<p>Geht man der Frage nach, weshalb die Lateinschule auch im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung so tief verankert war, muss man auf eine damalige organisatorische Besonderheit zu sprechen kommen. Schulverwaltung ging im 19.Jahrhundert von Stuttgart aus, damals nat\u00fcrlich von der &#8222;k\u00f6niglich-w\u00fcrttembergischen Ministerialabteilung f\u00fcr die h\u00f6heren Schulen&#8220;. Erlasse wurden \u00fcber die Ober\u00e4mter an die Stadt weitergeleitet, und hier war eine so genannte &#8222;Studienkommission&#8220; f\u00fcr die Schule verantwortlich. Ein b\u00fcrgerliches Gremium, \u00e4hnlich wie der Gemeinderat in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden gew\u00e4hlt, hatte sich um alle Einzelheiten des schulischen Alltags zu k\u00fcmmern. Die &#8222;Studienkommission&#8220; legte dem Gemeinderat beispielsweise Empfehlungen vor, wie der Turnplatz auf dem W\u00f6rd gestaltet werden sollte, wie hoch die Entlohnung des Zeichenlehrers der deutschen Schule, der auch an der Lateinschule unterrichtete, sein sollte, oder ob der Pr\u00e4zeptor einen neuen Ofen f\u00fcr seine Dienstwohnung bekommen k\u00f6nnte. Die B\u00fcrger interessierten sich so automatisch f\u00fcr ihre Schule, weil sie \u00fcber diese Studienkommission ein hohes Ma\u00df an Mitbestimmunsm\u00f6glichkeiten besa\u00dfen.<\/p>\n<p>Es war deshalb f\u00fcr die Rosenfelder B\u00fcrger keine leichte Entscheidung, die Lateinschule aufzugeben, nachdem im Jahr 1908 die Sch\u00fclerzahl auf 4 Lateiner abgesunken war und der damalige Pr\u00e4zeptor den Schulort wechseln wollte. F\u00fcr 4 Sch\u00fcler war kein neuer Lehrer zu bekommen.<\/p>\n<p>Die damals eingef\u00fchrte Realschule und seit 1933 die Oberschule f\u00fcr Jungen konnte jedoch die Erinnerung an die Lateinschule in der Rosenfelder B\u00fcrgerschaft nicht verdr\u00e4ngen. Als in den 50er Jahren die Sch\u00fclerzahlen anstiegen, wollte man in Rosenfeld an die Tradition der h\u00f6heren Schule wieder ankn\u00fcpfen. Die Rosenfelder B\u00fcrger, allen voran der Gemeinderat und B\u00fcrgermeister Engelfried an der Spitze, setzten alle Hebel in Bewegung, um eine h\u00f6here Schule in Rosenfeld wieder einrichten und erhalten zu k\u00f6nnen. Wichtige F\u00fcrsprecher waren damals Landrat Roemer und der Landtagsabgeordnete Gomringer. Schlie\u00dflich wurde die Einrichtung eines vierklassigen Progymnasiums genehmigt, das im Lauf der Zeit auf 6 Klassen erweitert wurde. Dass diese Entscheidung richtig war, bewiesen die Folgejahre, als Ende der 70er Jahre in Rosenfeld bis zu 270 Sch\u00fcler unterrichtet wurden. Alle Klassenstufen wurden zweiz\u00fcgig gef\u00fchrt. Nachdem Ende der 80er Jahre der Sch\u00fclerberg zusehends abflachte, konnte nur noch eine Klasse pro Jahrgang gebildet werden.<\/p>\n<p>Im neuen Schuljahr 2002\/03 ist die Schule zum ersten Mal nach langer Zeit in Klasse 5 wieder zweiz\u00fcgig. Zu verdanken ist diese erfreuliche Tatsache der Entscheidung vieler Eltern im Raum Geislingen\/Binsdorf\/Erlaheim, ihre Kinder &#8211; einer alten Tradition folgend, denn immer wieder sind in den Sch\u00fclerlisten Sch\u00fcler aus Binsdorf und Erlaheim erw\u00e4hnt &#8211; in die &#8222;kleine&#8220; Schule, ins Progymnasium zu schicken. Aus dieser Situation heraus k\u00f6nnte wieder, nachdem es die &#8222;Seelsorge-Einheit Kleiner Heuberg&#8220; ja schon gibt, die &#8222;H\u00f6here Schul-Einheit Kleiner Heuberg&#8220; entstehen. W\u00fcrde es so weit kommen, br\u00e4uchte man sich um die Zukunft des Progymnasiums keine Sorgen zu machen, denn der Elternwille kann nicht einfach \u00fcbergangen werden.<\/p>\n<p>Von Herzen zu danken hat die Schulgemeinschaft Rosenfeld in diesem Jubil\u00e4umsjahr allen, die sich fr\u00fcher und heute f\u00fcr den Schulstandort Rosenfeld engagiert und diese kleine Schule erhalten und gef\u00f6rdert haben, insbesondere den vielen engagierten Eltern und Elternbeir\u00e4ten, den Firmen des Kleinen Heubergs, den Gemeinder\u00e4ten und der Stadtverwaltung, den B\u00fcrgermeistern und Abgeordneten sowie auch dem Oberschulamt T\u00fcbingen und dem Kultusministerium in Stuttgart!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anmerkungen zur Schulgeschichte von Schulleiter\u00a0Dr. Volker Seibel Geschrieben zum Jubil\u00e4um 2002 450 Jahre Progymnasium Rosenfeld Schon vor der Mitte des <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/?p=2627\">mehr &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[45],"class_list":["post-2627","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-schulgeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2627"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2628,"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2627\/revisions\/2628"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pgrosenfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}